Schleusingen – In der Kirchgemeinde, und ganz besonders an der Spitze des Orgelfördervereins steigt die Spannung. Nur noch wenige Tage und die „Königin“ kommt heim. Reichlich verspätet zwar, wird die Orgel der St.-Johannis-Kirche aus Ostheim in der Rhön wieder in Schleusingen eintreffen. Dort, wo sie eigentlich längst sein sollte, wenn krankheitsbedingte innerbetriebliche Probleme in der renommierten Orgelbaufirma Hey nicht gewesen wären.
Kantor Matthias Neumeister träumt schon Tag und Nacht davon, dem neuen Instrument all das zu entlocken, was es zu bieten hat. Und sie hat einiges zu bieten mit ihren 39 Registern, 2629 Pfeifen aus Holz und Metall und drei Manualen. Jahrzehntelange Erfahrung und Können und excellente Handwerksarbeit der Rhöner Orgelbauer haben die Königin der Instrumente wieder zu neuem Leben erweckt. Alle erwarten, dass sie bald wieder klingt – so schön wie nie. Der Kantor schwärmt: „Das ist eine ganz besondere Orgel, ein Referenzobjekt in der Orgellandschaft nicht nur in Südthüringen, auch in den angrenzenden Gebieten in Hessen und in Franken. Sie wird Organisten en Gros anlocken . . .“ Der Kantor redet sich in Begeisterung. Vor allem wird es ja auch seine Orgel sein.
Indes routiert der Vorstand des Orgelfördervereins. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Orgel ihre Stimme wiederzugeben. Um den letzten Bauabschnitt finanzieren zu können, fehlen noch 80 000 Euro. 30 000 davon will der Verein durch Spenden und eigene Aktivitäten beisteuern, den „Rest“ hofft er von verschiedenen Institutionen, aus Lottomitteln etc. zusammenzubringen. Die rührige Frontfrau Bärbel Crusius wird mit ihrem Team ist nimmermüde. Mit Vorstandsmitglied Katrin Kern und anderen hat sie dazu eine neue Aktion initiiert: Orgelpfeifen-Patenschaften (s. nebenstehenden Beitrag). „Unsere Festwoche zur Einweihung der Orgel vom 10. bis 17. Mai steht unter dem Motto „Schleusingen zieht alle Register“, so Bärbel Crusius. „Und zuvor müssen wir selbst noch alle Register ziehen“, meint sie. „Im vergangenen Jahr haben wir durch Spenden und eigene Aktivitäten rund 16 000 Euro erwirtschaftet“, zieht Bärbel Crusius Bilanz.
„Wir haben Spender, die zahlen jedes Jahr eine Summe für die Orgel ein. Alle Spender sind in einer Liste verzeichnet und werden in einem Buch in der Orgel hinterlegt.“ Wenn die Königin eingeweiht wird, wird sie noch nicht vollständig finanziert sein und deshalb ist nach wie vor jeder Betrag willkommen. „Wir werden immer wieder gefragt“, verhehlt Bärbel Crusius nicht, „ob es nötig ist, die Orgel so groß zu bauen. Aber glauben sie mir, eine kleinere Variante für diese große Kirche wäre rausgeworfenes Geld. Sie würde den Raum nicht ausfüllen. Und so wird der Verein weitere Register ziehen. „Wir freuen uns auf das Benefizkonzert „Vier von hier“ am 14. März, 19.30 Uhr, im Künstlerhof. Vier junge Leute aus dem Landkreis, darunter Jara und Joana Egen, werden für unsere Orgel musizieren,“ kündigt die Vereinsvorsitzende an.
Bei Gerd Schrader, den Bauchef in der Kirchgemeinde, mischen sich in die Vorfreude vor allem die bautechnischen Probleme. Mit einem Team ehrenamtlicher Helfer hat er die Orgelempore für den Einzug der Königin umgebaut. Sie wird etwas nach vorn gerückt, um mit ihrem Klang den Kirchenraum besser auszufüllen. Nun hat er mit Herbert Hey nochmals den genauen Ablaufplan abgestimmt. „Diese Woche hat die Firma Bühnen- und Veranstaltungstechnik aus Gethles ein Spezialgerüst mit zwei Türmen je 400 Kilo, 1,80 mal 1,80 aufgebaut. Über dieses werden die Orgelteile mit elektrischem Seillift über den Altar zur Empore gezogen“, erklärt er. Die erste Lieferung aus Ostheim wird am 20. Januar, 9.30 Uhr, die zweite am 21. Januar, 9.30 Uhr erwartet. „Dazu werden je 6 bis 10 Helfer gesucht, die uns mit zur Hand gehen.“
Bei dieser Gelegenheit werden die Säulen des Triumphbogens renoviert, die 1990 für 52 000 Mark komplett gemalert, schon paarmal wieder ausgebessert wurden, aber ihre Farbschicht trotzdem nicht behalten haben. Die Königin braucht schließlich eine optisch ordentliche Umgebung. Bis Ende Januar muss das erledigt sein, denn dann beginnt Herbert Hey damit, die Orgel einzustellen. Dazu braucht er absolute Ruhe.
Am 22. bis 30. Januar wird die Orgel aufgestellt, ab 2. Februar beginnt die Kirchenmalerin ihre Arbeit, so sieht es der Fahrplan vor.

