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Die neue Orgel - "Königin der Instrumente"

Die Königin soll so schön klingen wie nie

Fachleute der Rhöner Firma Hey arbeiten fieberhaft an dem Instrument / Im Januar kommt es zurück in die Johanniskirche

Von Karin Schlütter

Schleusingen/ Ostheim-Urspringen – Sie steht wahrhaft majestätisch in der großen Halle der renommierten Rhöner Orgelbaufirma Hey, die sie fast vollständig für sich einnimmt. Gerade ist noch Platz für eine Kleine, die demnächst zu einer koreanischen Kirche in Seoul auf die Reise geht.

Die Käufer waren durch halb Europa gereist auf der Suche nach einem geeigneten Instrument. Hier in der Rhön haben sie es gefunden. Die Orgelbauer hier sind für ihre handwerkliche Perfektion bekannt.

Ihr ganzes Wissen, Können und Geschick legen sie jetzt auch in die Orgel der Schleusinger St.-Johannis-Kirche. „Sie ist einzigartig“, sagt Orgelbaumeister Klaus Wagner, der die Schleusinger Orgel konstruiert hat. „Wir strengen uns auch ganz besonders an.“ Das spürt auch Reinhard Hotop, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates in Schleusingen, der dieser Tage nach der Königin sah. Denn eigentlich sollte die längst wieder ihren Platz in der St.-Johannis-Kirche eingenommen haben – zur Freude der Besucher des traditionellen Adventskonzerts. Dieser Plan ging leider nicht auf. „Das ist innerbetrieblich begründet“, gesteht Herbert Hey, der Chef der Orgelbaufirma mit 125-jähriger Tradition. „Wir hatten einige krankheitsbedingte Ausfälle und konnten den Fahrplan nicht einhalten“, bedauert er. Das betrifft ebenfalls die Dingslebener Orgel und die Orgel der Römhilder Gottesackerkirche, die hier zur Kur sind.

Für die Schleusinger Orgel jedenfalls gibt es jetzt einen konkreten Ablaufplan. Die Orgelfestwoche im Mai werde auf keinen Fall gefährdet sein, versichert Herbert Hey. „Am 21. Januar 9.30 Uhr wird der erste Lkw in Schleusingen eintreffen“, geht er ins Detail.

Ein Termin, der für die Schleusinger wichtig ist, denn an diesem und dem darauffolgenden Tag werden viele Helfer zum Entladen gebraucht. Die Orgel wird dann aufgestellt. Am 2. Februar wird die Kirchenmalerin erwartet, die das Prospekt bearbeitet, dann wird Wind eingerückt und die Technik installiert. „Und dann geht es mit der Intonation los. Dann wird die Orgel den ganzen Tag gespielt“, kündigt Herbert Hey an.

Doch bis dahin wird in der Rhön noch fieberhaft gearbeitet, um das kostbare Instrument so herzurichten, dass es so schön klingt wie 1702, als die Orgel erbaut wurde, vermutlich von Johannes Albrecht. Aber wahrscheinlich sogar noch schöner. So, wie sie die Schleusinger noch nie gehört haben. Denn die Orgel war 1895 von Theodor Kühn umgebaut worden. 1940/41 gab es einen weiteren großen Umbau durch Rudolf Kühn aus Merseburg. Damals sei – sicherlich dem Zeitgeist und der finanziellen Situation geschuldet – gnadenlos zurechtgerückt worden, wie es gerade ging. „Das Pfeifenwerk wurde ohne Skrupel verändert, falsches Material eingesetzt“, sagt Herbert Hey. „Grad, als ob man einen Bass im Chor mal eben zwischen den Sopran stellt. Der Charme der Orgel war dahin.“

Das alles richten die Orgelbauer nun wieder her. „Die Fassade, der hervorragend geschnitzte Orgelprospekt gibt uns den Rhythmus vor“, erklärt Herbert Hey. „Das, was gut war, wird erhalten und aufgearbeitet, knapp die Hälfte der Orgelpfeifen sind historisch. Für uns ist es eine Herausforderung, die alten Pfeifen aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit den neuen so zu paaren, dass man nicht hört, was alt und was neu ist.“

Der einstige monströse Spieltisch ist dem Orgelgehäuse sorgfältig angepasst worden. Die weiße Tastatur mit Oberschenkelknochen des Rindes belegt, die schwarze aus Ebenholz gefertigt. „Und alles in traditionellen Verarbeitungstechniken gebaut.“ Die Registerknöpfe sind aus gedrechseltem Ebenholz mit handbeschriebenen Porzellan, glasiert und gebrannt, kunstvoll hergestellt, beschreibt Orgelbaumeister Hey nur eines der unzähligen Details, mit denen die neue Schleusinger Orgel ausgestattet wird.

Die Schleusinger können sich auf ein wunderbares Instrument von Meisterhand freuen, auch wenn die Königin zu Weihnachten noch nicht wie geplant zu Hause ist.

„Und wir hoffen“, so Reinhard Hotop, „dass wir die letzten 30 000 Euro, die zur Finanzierung noch fehlen, durch Spenden aufbringen können.“

Die Orgelbauer schätzen das, was in Schleusingen geleistet wurde. „Die Kirchgemeinde ist einen Weg gegangen, der nicht alltäglich ist und hat die finanziellen Mittel bisher aufgebracht. Hut ab, was da erreicht wurde.“

Reinhard Hotop weiß: „Ohne Bärbel Crusius und den Orgelförderverein wäre das niemals gelungen."

 

Alles in Handarbeit wie im 18. Jahrhundert.
Bilder: frankphoto.de

 

 

Alles vorbereitet zum Empfang der neuen Orgel

Schleusingen zieht alle Register / Noch fehlen 80 000 Euro

SchleusingenIn der Kirchgemeinde, und ganz besonders an der Spitze des Orgelfördervereins steigt die Spannung. Nur noch wenige Tage und die „Königin“ kommt heim. Reichlich verspätet zwar, wird die Orgel der St.-Johannis-Kirche aus Ostheim in der Rhön wieder in Schleusingen eintreffen. Dort, wo sie eigentlich längst sein sollte, wenn krankheitsbedingte innerbetriebliche Probleme in der renommierten Orgelbaufirma Hey nicht gewesen wären.

Kantor Matthias Neumeister träumt schon Tag und Nacht davon, dem neuen Instrument all das zu entlocken, was es zu bieten hat. Und sie hat einiges zu bieten mit ihren 39 Registern, 2629 Pfeifen aus Holz und Metall und drei Manualen. Jahrzehntelange Erfahrung und Können und excellente Handwerksarbeit der Rhöner Orgelbauer haben die Königin der Instrumente wieder zu neuem Leben erweckt. Alle erwarten, dass sie bald wieder klingt – so schön wie nie. Der Kantor schwärmt: „Das ist eine ganz besondere Orgel, ein Referenzobjekt in der Orgellandschaft nicht nur in Südthüringen, auch in den angrenzenden Gebieten in Hessen und in Franken. Sie wird Organisten en Gros anlocken . . .“ Der Kantor redet sich in Begeisterung. Vor allem wird es ja auch seine Orgel sein.

Indes routiert der Vorstand des Orgelfördervereins. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Orgel ihre Stimme wiederzugeben. Um den letzten Bauabschnitt finanzieren zu können, fehlen noch 80 000 Euro. 30 000 davon will der Verein durch Spenden und eigene Aktivitäten beisteuern, den „Rest“ hofft er von verschiedenen Institutionen, aus Lottomitteln etc. zusammenzubringen. Die rührige Frontfrau Bärbel Crusius wird mit ihrem Team ist nimmermüde. Mit Vorstandsmitglied Katrin Kern und anderen hat sie dazu eine neue Aktion initiiert: Orgelpfeifen-Patenschaften (s. nebenstehenden Beitrag). „Unsere Festwoche zur Einweihung der Orgel vom 10. bis 17. Mai steht unter dem Motto „Schleusingen zieht alle Register“, so Bärbel Crusius. „Und zuvor müssen wir selbst noch alle Register ziehen“, meint sie. „Im vergangenen Jahr haben wir durch Spenden und eigene Aktivitäten rund 16 000 Euro erwirtschaftet“, zieht Bärbel Crusius Bilanz.

„Wir haben Spender, die zahlen jedes Jahr eine Summe für die Orgel ein. Alle Spender sind in einer Liste verzeichnet und werden in einem Buch in der Orgel hinterlegt.“ Wenn die Königin eingeweiht wird, wird sie noch nicht vollständig finanziert sein und deshalb ist nach wie vor jeder Betrag willkommen. „Wir werden immer wieder gefragt“, verhehlt Bärbel Crusius nicht, „ob es nötig ist, die Orgel so groß zu bauen. Aber glauben sie mir, eine kleinere Variante für diese große Kirche wäre rausgeworfenes Geld. Sie würde den Raum nicht ausfüllen. Und so wird der Verein weitere Register ziehen. „Wir freuen uns auf das Benefizkonzert „Vier von hier“ am 14. März, 19.30 Uhr, im Künstlerhof. Vier junge Leute aus dem Landkreis, darunter Jara und Joana Egen, werden für unsere Orgel musizieren,“ kündigt die Vereinsvorsitzende an.

Bei Gerd Schrader, den Bauchef in der Kirchgemeinde, mischen sich in die Vorfreude vor allem die bautechnischen Probleme. Mit einem Team ehrenamtlicher Helfer hat er die Orgelempore für den Einzug der Königin umgebaut. Sie wird etwas nach vorn gerückt, um mit ihrem Klang den Kirchenraum besser auszufüllen. Nun hat er mit Herbert Hey nochmals den genauen Ablaufplan abgestimmt. „Diese Woche hat die Firma Bühnen- und Veranstaltungstechnik aus Gethles ein Spezialgerüst mit zwei Türmen je 400 Kilo, 1,80 mal 1,80 aufgebaut. Über dieses werden die Orgelteile mit elektrischem Seillift über den Altar zur Empore gezogen“, erklärt er. Die erste Lieferung aus Ostheim wird am 20. Januar, 9.30 Uhr, die zweite am 21. Januar, 9.30 Uhr erwartet. „Dazu werden je 6 bis 10 Helfer gesucht, die uns mit zur Hand gehen.“

Bei dieser Gelegenheit werden die Säulen des Triumphbogens renoviert, die 1990 für 52 000 Mark komplett gemalert, schon paarmal wieder ausgebessert wurden, aber ihre Farbschicht trotzdem nicht behalten haben. Die Königin braucht schließlich eine optisch ordentliche Umgebung. Bis Ende Januar muss das erledigt sein, denn dann beginnt Herbert Hey damit, die Orgel einzustellen. Dazu braucht er absolute Ruhe.

Am 22. bis 30. Januar wird die Orgel aufgestellt, ab 2. Februar beginnt die Kirchenmalerin ihre Arbeit, so sieht es der Fahrplan vor.

 


Herbert Hey, Chef der Orgelbaufirma in Ostheim-Urspringen, erklärt Reinhard Hotop die neue Schleusinger Orgel, die in Ostheim gebaut wird und am Dienstag und Mittwoch zurück in die St.-Johannis-Kirche kommt.

 

Erschienen in "Freies Wort"
Ressort Hildburghausen

 

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